Firefox OS Test: Wie gut ist das neue Betriebssystem?

Der Skandal um die massive Überwachung der Telekommunikation durch den amerikanischen Geheimdienst NSA hat auch die Diskussion um die Macht privater Datenkraken wie Google neu entfacht. Hier lockt Mozilla mit seinem freien Betriebssystem Firefox OS als Alternative zu Googles Android und Apples iOS. Doch was taugt das neue Betriebssystem? Ist es eine echte Alternative oder nur etwas für hartgesottene Idealisten? Das zeigt mein Firefox OS Test.

Der Firefox OS Test in Stichpunkten

Das hat mir gefallen:

  • Schlankes Betriebssystem
  • Lange Akkulaufzeit
  • Innovative Suche
  • Gute Bedienbarkeit
  • Google- und Apple-frei

Das hat mir weniger zugesagt

  • Wenig Apps
  • Keine Software zur Smartphone-Verwaltung

Die ersten Schritte

Zunächst fordert mein Alcatel One Touch FIRE, das ich für den Test verwende (den Testbericht zum Smartphone gibt es hier), die SIM-Pin. Eine Sperre für das Handy selbst ist nicht voreingestellt, das geht aber über die Einstellungen schnell und problemlos.

Bei späteren Aufrufen muss ich keine SIM-PIN, dafür die von mir selbst vergebene Geheimzahl eingeben. Positiv: Mit dem Anschalten wird sofort das Ziffernfeld angezeigt, ich muss nicht zuerst auf entsperren oder eine ähnliche Taste drücken. Das muss ich nur, wenn ich das Ziffernfeld zuvor weggedrückt habe. Später einmal nehme ich aber den Akku heraus und muss die SIM-PIN noch einmal eingeben. Missverständlich: Es erscheint der Hinweis, die SIM-PIN müsse eingegeben werden, dabei muss zuvor noch die vom Nutzer gegebene Geheimzahl und dann erst die SIM-PIN getippt werden. Ich gebe daher zweimal falsch die PIN ein, ehe ich den Fehler bemerke.

Im Hauptmenü

Nach dem Öffnen landet man auf der Seite, die beim letzten Besuch angezeigt wurde, beim Neustart auf der mit der Suche. In der Startversion gibt es drei Seiten. Die erste zeigt die Suche, die zweite und dritte Apps. Bei allen drei Seiten mit dabei ist die Schnellstartleiste, über die man beispielsweise telefonieren und SMS senden kann. Das Aufrufen einzelner Anwendungen funktioniert wie üblich mit einem Fingertipp. Klickt man eine App länger an, wird zu allen löschbaren Anwendungen links oben ein weißes x auf rotem Grund angezeigt. Darüber lassen sich die Apps löschen. Wird eine Anwendung gelöscht, bleibt eine Lücke zurück, die anderen Apps werden also nicht neu platziert.

Schreiben

Wird in einer App die Eingabe von Text erwartet, beispielsweise in der Adressleiste des Browsers (natürlich Firefox), öffnet sich automatisch die Tastatur. Leider gibt es keine Umlaute wie ä oder ü, aber das Autovervollständigen klappt im Firefox OS Test hervorragend. Wer beispielsweise in Wikipedia den Oberbürgermeister sucht, bekommt schon nach der Eingabe von Oberbu das richtige Wort vorgeschlagen.

Das System schlägt jeweils ein oder mehrere Worte vor, die so oder so ähnlich geschrieben werden. Eines wählt das System aus (wird blau markiert) und verwendet es automatisch, wenn nicht explizit ein anderes Wort gewählt wird. Die Umlaute vermisst man deshalb nur selten, vor allem bei Namen. Schade ist dagegen, dass der Bindestrich keinen Platz mehr auf der ersten Seite hatte, sondern stattdessen das ‘. Wer manager-magazin.de lesen will, muss zunächst auf eine andere Ansicht umschalten und dann wieder zurück, um die Adresse richtig einzugeben. Außerdem gibt es keine Pfeiltasten, wer sich bei der Donaudampfschiffkapitänmütze beim zweiten oder dritten Buchstaben verschrieben hat, muss entweder alles löschen oder die entsprechende Stelle mit dem Finger anklicken, was nicht immer gut gelingt.

Bild zum Firefox OS Test

So sieht es aus, das neue Betriebssystem von Mozilla, hier auf dem Alcatel One Touch FIRE Foto: Congstar

Apps bedienen

Das Angebot an Apps ist eine der größten Schwachstellen. Es gibt bisher nur sehr wenige Anwendungen. Doch wer nicht spielen oder ausgefallene Funktionen, sondern nur etwas surfen will, kommt auch ohne aus, von vielen Websites gibt es für Mobilgeräte optimierte Versionen, die auch auf den Startbildschirm gelegt und dann wie Apps genutzt werden können. Allerdings wird dann oft die Adressleiste nicht mehr angezeigt, wer eine andere Seite aufrufen will, muss die Anwendung schließen und den Browser öffnen. Die App lässt sich über eine Taste unterhalb des Bildschirms beenden, das ist sehr praktisch.

SMS und Aktuelles

Aktuelle Informationen wie Updates, SMS oder WhatsApp-Nachrichten (die über ConnectA2 auf dem Firefox Handy landen) werden links oben eingeblendet. Mit dem Finger lässt sich diese Infozentrale wie ein Schleier über die App legen und die Neuigkeiten sichten, ohne die laufende Anwendung zu schließen. Gegebenenfalls kann die Nachricht auch gleich aufgerufen werden.

Schlankes System

Firefox OS hat wenig Ansprüche. Die Geräte sind deshalb preisgünstiger als die Modelle der Konkurrenten. Außerdem hält der Akku voll aufgeladen mehrere Tage, während andere Smartphones täglich ans Netz müssen. Auch der Datenverbrauch ist gering, der günstigste Congstar-Tarif mit 100 MB genügt mir trotz regelmäßiger Nutzung.

Innovative Suche

Als besonders innovativ ist mir bei meinem Firefox OS Test die Suche aufgefallen. Wer einen Suchbegriff eingibt, erhält verschiedene Möglichkeiten angezeigt. Er kann beispielsweise in Google, Yahoo oder Bing aber auch Spiegel Online, Wikipedia oder den Gelben Seiten suchen. Dabei trifft das System bereits eine Vorauswahl, wer beispielsweise den Namen einer Stadt eingibt, erhält Buchungsportale vorgeschlagen oder die Lokalzeitungen und gleich ein Bild des Ortes angezeigt. Außerdem wird oft gleich direkt auf die offizielle Website verwiesen, das klappt auch erstaunlich gut.

Fazit im Firefox OS Test

Firefox OS kann noch nicht mit iOS oder Android mithalten, ist aber ein solides System. Einige Sachen sind noch verbesserungswürdig, beispielsweise fehlt eine Software um Bilder, Musik oder Bücher auf dem Smartphone zu verwalten, wie man sie beispielsweise von Nokia kennt. Viele Kritikpunkte aus älteren Tests wurden aber bereits verbessert und die Vorteile überwiegen für alle, die vom klassischen Handy aufs Smartphone umsteigen oder ohnehin vor allem mit dem Mobilgerät telefonieren, Nachrichten versenden und surfen. Eine günstige Alternative, nicht nur wegen des geringeren Anschaffungspreises, sondern auch dem sparsamen Umgang mit Daten und der damit verbundenen Möglichkeit, einen günstigen Tarif zu wählen. Und ein Muss für alle, denen die Übermacht von Google und Co im Internet unheimlich wird.

Weitere Tests einzelner Komponenten oder Apps findet man hier, einen Test des Alcatel One Touch FIRE hier. Weitere Informationen gibt es auch bei Congstar.



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