Firefox OS mit hoher Priorität

Der neue Mozilla-Chef Brendan Eich will Firefox OS höchste Priorität einräumen. Das berichtet das amerikanische IT-Journal CNET.

Brendan Eich arbeitete bereits am Firefox-Vorgänger Netscape Navigator mit. Als das Internet Mitte der 1990er Jahre zum Massenmedium wurde, hatte der Internet-Browser nach verschiedenen Schätzungen einen Marktanteil von fast 80 Prozent, ehe er von Microsofts kostenlos mitgeliefertem Internet Explorer verdrängt wurde. Aus den Resten von Netscape ging nach der Übernahme durch AOL die Mozilla Foundation hervor.

Netscape Loge

Das Logo der Netscape Corporation, Vorgängerinstitution von Mozilla. Quelle: Wikipedia

CNET bezeichnet den neuen Mozilla-Vorstand auch gleich als Alpha Nerd. Wird auch Firefox OS unter der Leitung des neuen CEO nerdiger werden, sprich nicht mehr vor allem preisbewusste Käufer ansprechen? Firefox OS ist, wie berichtet, vor allem in Südamerika, aber auch in weniger reichen europäischen Ländern wie Ungarn und Griechenland stark. Eine Ausnahme ist Spanien, wo das Betriebssystem dank des Herstellers Geeksphone auch von zahlungskräftigeren Menschen genutzt wird. In Deutschland und anderen Industrieländern hat sich Firefox OS dagegen bisher nur ein kleines Marktsegment erschlossen. Das in Deutschland vertriebene Alcatel One Touch FIRE kann mit dem iPhone oder dem Samsung Galaxy bisher nicht mithalten. Es bietet zwar eine akzeptable Qualität für aktuell nur rund 90 Euro bei congstar, doch diesen Vorteil kann das Betriebssystem noch viel zu wenig ausspielen, nicht zuletzt weil die meisten Kommentatoren in Blogs und Zeitschriften eher zur Gruppe der Nerds mit hoher Zahlungsbereitschaft und hohen Ansprüchen zählen.

Brendan Eich Foto

Der neue Mozilla-Vorstand Brendan Eich. Foto: James Duncan Davidson

Auch in Zukunft gilt die erste Priorität bei Firefox OS dem 25-Dollar Smartphone, das Mozilla vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern vertreiben will. Das Kalkül dahinter ist es, Masse zu schaffen und so Firefox OS für Entwickler attraktiver zu machen. Doch daneben soll Firefox OS auch anspruchsvollere Nutzer ansprechen. “To get developer and user volume, we can go after not only smartphones at the really low end, and we can also mature upward“, erklärt Brendan Eich gegenüber CNET. Einfachtechnik sei nicht allein ausreichend und ausreichend Nutzer und Entwickler zu gewinnen, man müsse sich auch nach oben entwickeln.

In jedem Fall habe Firefox OS höchste Priorität. Kein Wunder, schließlich steht Mozilla hier vor seiner größten Herausforderung. Beim Browser hat Firefox in den USA vermutlich einen stabilen dritten Platz hinter dem Internet Explorer und Chrome, in Deutschland dürfte Mozilla sogar Marktführer sein. Auch wenn unterschiedliche Quellen jeweils zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, weil immer nur eine Auswahl von Seiten betrachtet wird, dürfte die Reihenfolge (dritter in den USA, erster in Deutschland) wohl zutreffen.

Bei den Betriebssystemen hat Firefox OS dagegen in den großen Märkten nur einen kleinen Marktanteil. Insofern ist die Situation auch schwieriger als beim Browser, wo man ja auf ein erfolgreiches Vorprodukt (eben den Netscape Navigator) zugreifen konnte. Allerdings ist das Interesse an einer offeneren Alternative zu Android und iOS weiterhin groß. Nicht nur bei den Nutzern, sondern auch bei den Unternehmen, die sich schon lange ärgern, dass ein Großteil der Gewinne in die Taschen von Google und Apple fließt.

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